Ist die organische Reichweite auf Facebook wirklich am Ende?

❗️Kurze Spoilerwarnung❗️: Nein, denn:

  • Facebook ist nicht so out, wie viele es häufig behaupten. ✔️
  • es gibt handwerkliche Methoden wie Content erstellt werden kann, um die Reichweite positiv zu beeinflussen ✔️

Geht es um die Erfolgsmessung von Social-Media-Beiträgen, wird häufig die Reichweite, also wie viele Personen den Beitrag auf der Plattform in einem bestimmten Zeitraum gesehen haben, als Indikator (Key Performance Indicator = KPI) verwendet. Je höher diese Kennzahl ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine hohe Anzahl an Usern aus der anvisierten Zielgruppe mit dem Beitrag anschließend interagiert und eine Handlung im Sinne des Unternehmens vollzieht. Dies kann z.B. ein Klick auf die Landing-Page sein oder die Anfrage eines Urlaubswunsches durch den Kunden.

Anders ausgedrückt; je mehr Leute einen Beitrag gesehen haben, desto vielversprechender ist der zu erwartende Werbeerfolg für das Unternehmen. 

In den zurückliegenden Jahren haben sich nicht nur die Social-Media-Plattformen im Allgemeinen verändert, sondern auch das Nutzerverhalten der registrierten Personen. Allerdings ist dieses Thema sehr komplex, weshalb wir uns bestimmte Umstände sehr genau ansehen müssen, um hier präzise Aussagen treffen zu können. Verschiedene Behauptungen, die mir in den letzten Jahren und Monaten zu Ohren gekommen sind, möchte ich heute einmal kommentieren und versuchen zu relativieren.

  1. „Facebook ist nur noch für die Alten relevant. Jugendliche nutzen fast ausschließlich Instagram“ ✖️

Meine Meinung:

➡️ Ja, die Neuregistrierungen bei Personen unter 18 Jahren auf Facebook in Deutschland sind erheblich zurückgegangen. Allerdings sollten Unternehmen hier branchenunabhängig die kaufkräftigen Konsumenten betrachten. Allein die Alterszielgruppe der 20-24-Jährigen weist mit circa 7 Millionen Personen eine weitaus höhere Nutzerzahl auf, als es auf Instagram (circa 4 Millionen) der Fall ist. Unnötig an dieser Stelle zu erwähnen, dass es in der Altersgruppe 25-34 noch einmal knapp 11 Millionen registrierte Nutzer auf Facebook gibt. In dieser Altersklasse sind auf Instagram  „nur“ 3.4 Millionen Konsumenten zu finden (Stand:2018).

Es ist außerdem sinnvoll, das tägliche Nutzungsverhalten miteinander zu vergleichen, denn nur weil Nutzer registriert sind, heißt das noch nicht automatisch, dass sie sich auch jeden Tag beim Portal einloggen. Personen aus der Altersklasse 20-34 machen derzeit auf Facebook einen Anteil von 56 % aus. 23 Millionen Menschen nutzen Facebook täglich. Das bedeutet rund 13 Millionen Personen, die zwischen 20 und 34 Jahren sind, könnten theoretisch täglich auf der größten Social-Plattform erreicht werden. Da bei Instagram schon allein die tatsächliche Nutzeranzahl von 7,4 Millionen Personen geringer ist, geht der Punk hier ebenfalls an Facebook.

Quellen: Facebook / Instagram

Nicht, dass ich etwas gegen die Nutzung  von Instagram als Marketinginstrument habe, jedoch ist bei richtiger Betrachtung nur die Behauptung korrekt, dass die Interaktionen der Nutzer auf Beiträge  (Like, Kommentar, Erwähnung etc.) auf Instagram derzeit höher erscheint, als auf Facebook. Sobald wir jedoch über eine Relevanz für das strategische Marketing sprechen sollte man bedenken, dass die potentielle Reichweite für Kampagnen auf Facebook, streng genommen, höher ist als auf Instagram. Ich denke daher, dass Facebook daher bei keiner Social-Media-Kampagne vernachlässigt werden sollte.

 2. „Auf Facebook erreicht man seine Follower nur noch, wenn man den Content mit monetären Mitteln zusätzlich bewirbt.“

Auch hierzu meine Meinung:

➡️ Ja, es gibt heute weitaus mehr „gesponserte“ Beiträge auf der Plattform, als noch vor 10 Jahren. Das bedeutet: Firmen bezahlen häufiger dafür, dass ihre Beiträge auch von Menschen auf Facebook gesehen werden, die der Unternehmensseite nicht direkt folgen oder diese mit „Gefällt Mir“ markiert haben. Eine logische Schlussfolgerung könnte also tatsächlich lauten: Nicht bezahlter Content, wird von bezahltem Content aus dem Newsfeed der Nutzer zunehmend verdrängt.

Allerdings ist die zusätzliche Monetarisierung von Beiträgen nur eine Möglichkeit die Reichweite auf der Plattform zielgerichtet zu erhöhen (und gleichzeitig die bequemste). 

Im Folgenden möchte ich daher über handwerkliche Methoden des Marketings bzw. der Content-Erstellung schreiben, die ich im zurückliegenden Semester gemeinsam mit den Studierten Weltenbummlern anwenden konnte. Wer als Unternehmer überlegt, ähnliche Methoden des Marketings für seinen Betrieb anzuwenden, kann mich sehr gerne kontaktieren.

Mit der Veröffentlichung des Films auf Facebook auf der Seite „Studierte Weltenbummler“  war es das Ziel, das duale Studium der HWR Berlin, bei neuen Studierenden zu vermarkten und sowohl die Form des Studiums bei potentiellen neuen Partnerunternehmen in der Region bekannter zu machen. Auf eine zusätzliche Monetarisierung musste gänzlich verzichtet werden, da schlichtweg kein Budget dafür eingeplant war. Wie dennoch eine für die Verhältnisse hohe Reichweite generiert wurde (1800 Aufrufe), möchte ich mit folgenden Aspekten kurz anreißen:

  1. In erster Linie ist die Produktplatzierung für das HOTEL NEPTUN zu nennen. So stellen die Zimmergestaltung, der Ausblick auf die Ostsee und auf das Seebad Rostock-Warnemünde Herausstellungsmerkmale für das Hotel dar. Auch wenn das Hotel nicht direkt im Handlungsmittelpunkt des Video-Clips ist, wurde für die Unternehmensseite des Hotels, auf Facebook, kostenfreier Content erstellt. [Der „Share“ erfolgte schließlich durch das Hotel einige Zeit später. Somit wurde der Content nicht nur im Netzwerk der Studierenden gepostet, sondern auch an die Follower des Hotels ausgespielt.]  
  2. Viele Aspekte des Empfehlungsmarketings (z.B. Storytelling oder Influencer-Branding)  wurden angewandt. Am signifikantesten ist sicher der Umstand, dass die Protagonistin des Clips den Zuschauern kurz und knapp ihre persönlichen Beweggründe nennt, warum sie sich für ein duales Studium entschieden hat und warum sie glaubt, dass es die richtige Wahl war. Die Marke des Studiums wird somit für die Follower „lebendig“ gemacht und verleiht der Empfehlung mehr Authentizität.

Als Vergleich kann ein ähnliches Video einer anderen Hochschule betrachtet werden, was ich auf der Facebook-Seite der IUBH gefunden habe. Ich habe dieses Video ausgewählt, weil davon auszugehen ist, dass mit diesem Content ähnliche Ziele verfolgt wurden.

Die Zahl der Aufrufe des Videos ist mit circa 1200 geringer. Hinzu kommt der Umstand, dass die Facebookseite der privaten Hochschule über 10.000 Follower aufweist. Die Seite der Studierten Weltenbummler hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Contents gerade einmal 650 Follower.

Was hier im kleinen Stil vielleicht banal erscheint (1800 Aufrufe vs. 1200 Aufrufe), kann im Social-Media-Bereich eines Großunternehmens jedoch einen erheblichen Unterschied des Werbeerfolgs ausmachen.

Um die Ausgangsfrage des Artikels noch einmal klar zu beantworten: Es kommt wie immer darauf an, sich an einer zuvor erstellten betriebswirtschaftlichen Strategie zu orientieren. Daher ist es notwendig, sich mit den Möglichkeiten der Content-Erstellung auseinanderzusetzen. Falls zusätzlich noch Budget eingeplant werden kann, um Beiträge zusätzlich zu bewerben, ist dies der Optimal-Fall. Ausschlaggebend für die angestrebte Viralität des Contents sind jedoch definitiv andere Faktoren. Meine Empfehlung lautet daher stets in die Produktion von Content zu investieren und ein angemessenes Verhältnis zwischen organischer und künstlicher Reichweite anzustreben. Außerdem sollte versucht werden, Content so zu produzieren, dass er plattformübergreifend verwendet werden kann.

BG,

Max

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PS. Viele weitere spannende Möglichkeiten, wie gutes Marketing nach wie vor mit Facebook gestaltet werden kann, habe ich nicht erwähnt. (Z.B. Gruppen, Facebook-Messenger, Werbung zwischen Clips). Diese Möglichkeiten schauen wir uns in weiteren Beiträgen an.

Sinnvolle Plakatwerbung fürs Reisebüro

Ein neues, 2m hohes, Werbeplakat schmückt seit einigen Tagen den U-Bahnhof Eberswalder Straße im Prenzlauer Berg. Was mir bei der Gestaltung wichtig war, lest ihr in diesem Beitrag unter den beiden Fotos.

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  • Es werden keine Preise kommuniziert.

Da Preise für touristische Produkte in erster Linie dynamisch sind und im Zeitalter moderner Reservierungssysteme täglich schwanken, würde es aus meiner Sicht keinen Sinn ergeben, ausgewählte Produkte zu bewerben. Viel wichtiger ist hier, dass das Reisebüro mit seiner eigentlichen Dienstleistung wirbt, nämlich im richtigen Augenblick maßgeschneiderte Angebote für die Kunden parat zu haben. Es gibt viele weitere Gründe, warum sich eine Reise nur sehr schwer über einen Preis definieren lässt (z.B. Subjektivität oder die Nicht-Lagerfähigkeit von Dienstleistungen). Studieren kann man Tourismusbetriebswirtschaft übrigens hier in Berlin.

  • Die Gestaltung ist auf den gesamten Marketing-Mix des Reisebüros ausgelegt.

Auf Facebook und Instagram wirbt das TUI Reisecenter für die Präsenz im Kiez. Warum sollte also die Außenwerbung nicht auch für die Präsenz des Reisebüros in sozialen Netzwerken werben? Dieser Aspekt wird leider häufig vernachlässigt.

  • Öffnungszeiten und Wegbeschreibungen wurden nicht erwähnt.

Wichtiger ist nämlich, dass der Name des Reisebüros genau so im Internet gefunden wird. Den Rest erledigen heute Google bzw. unsere Smartphones. Dieses setzt natürlich ebenfalls eine ordentliche Online-Präsenz voraus.

Ich freue mich immer über Fragen und Anregungen. Bis zum nächsten Beitrag und

beste Grüße,

Max

Pauschalpakete mit Leerraum – Smart Consuming bei individuellen (Rund)-Reisen

Häufig muss man bei größeren Reisen verschiedene Dinge voneinander abwägen und verzweifelt nahezu dabei, das richtige Verhältnis aus Zeit, Preis, Leistung, Sicherheit und Individualität zu finden.

Hinzu kommen Fragen wie: „An wen wende ich mich während oder nach der Reise, wenn Mängel wie gravierende Flugverspätungen auftreten?“

Stellen wir uns folgenden Wunsch vor:

Ihr wollt zu zweit eine Reise, inklusive Badeaufenthalt, nach Bali unternehmen.

Die ganze Reise soll 15 Tage lang sein. Es sollen neben den Flügen verschiedene Hotels organisiert werden. 8 Tage davon sollen als Badeurlaub in einem Hotel verbracht werden, 7 Tage sollen zur Besichtigung der Insel in unterschiedlichen Hotels genutzt werden.

Sofern man nun im Vorfeld so viel wie möglich organisieren will, ergeben sich verschieden Varianten, auf die ich hier nun eingehen werde.

Für mein gewähltes Beispiel werden benötigt:

  • Flüge
  • 1 Badehotel
  • zusätzliche Unterkünfte, genannt „Rundreise“

Möglichkeit 1: Individuelle Buchung der einzelnen Bestandteile

Das heißt: Flug bei Firma X, Badehotel bei Firma Y, restliche Unterkünfte bei Firma Z

X+Y+Z

XYZ.jpgVorteile:

  • höchste Individualität bei der (Vor)-Auswahl
  • keine Einschränkung beim Buchen
  • sämtliche Deals können miteinander kombiniert werden

Nachteile:

  • Keine einheitlichen Regressansprüche („X kann nur bei X reklamiert werden, Y nur bei Y, Z nur bei Z) Das ist besonders ärgerlich, wenn die Firma bei der man gebucht hat, ihren Sitz im Ausland hat und deren Sprache man nicht mächtig ist. Hinzu kommt, dass es unterschiedliche Rechtslagen in unterschiedlichen Reiseländern gibt.
  • Keine gegenseitige Produktgarantie der einzelnen Bestandteile. (Beispiel: Verspätet sich ein Flug und ihr verpasst dadurch einen Weiterflug oder kommt zu spät bei einer Unterkunft an, übernimmt niemand einen Schaden, auch wenn ihr diesen nicht selbst verschuldet habt. Frei nach dem Motto: „Das eine Produkt hat mit dem anderen ja nichts zu tun“ oder „Ihr habt die Verspätung selbst verschuldet, denn ihr hättet ja eine andere Flugverbindung zum Reiseland wählen können“.

Möglichkeit 2: Bausteinreise (aus mehreren Einzelleistungen wird ein Gesamtprodukt)

Baustein.jpg

Reiseveranstalter aus Deutschland wie TUI oder DERTOUR bieten diese Möglichkeit an. Der erste Ansprechpartner für diese Konstellation ist i.d.R. das Reisebüro eures Vertrauens.

Über einen Tour Operator (=Veranstalter) greift man nun auf das Kontingent an Flügen, Hotels, Transfers, Mietwagen etc. zu, was diesem zur Verfügung steht, kombiniert alle Bestandteile und macht daraus ein neues, individuelles Gesamt-Produkt.

Aus X,Y, und Z wird also nun das neue Produkt

A (=Pauschale)

Vorteile (sehr grob):

  • Veranstalterhaftung (in Deutschland). Verspätet sich der Flug beispielsweise erheblich, haftet der Veranstalter auch für die nachfolgenden Bestandteile der Reise. Es gibt in Deutschland umfassende Serviceanbieter, bei denen man sich als Reisender sein Bausteinpaket zusammenstellen lassen kann. Aus einer kompetenten Beratung ergeben sich wiederum Vorteile wie maßgeschneiderte Angebote, Zeitersparnis und der Kontakt zu persönlichen Ansprechpartnern.
  • Regressansprüche für alle „Bausteine“ beim Tour Operator

Nachteile:

  • Man ist weniger individuell, da man z.B. auf das Hotel-Kontingent eines Veranstalters angewiesen ist, sowie auf die dazugehörigen Restriktionen.
  • Reiseveranstalter können die Preise für „ihre“ Leistungen in die Höhe treiben und mit Margen versehen.

Letzterer Nachteil kommt jedoch in der Praxis eher selten vor, da die Baustein-Bestandteile ansonsten nicht mehr konkurrenzfähig wären gegenüber Variante 1.

Empfehlenswert ist es also immer zu überprüfen, ob verschiedene Reise-Komponenten auch als Baustein-Reise kombinierbar sind.

Möglichkeit 3: Reisepaket 

Hier sind Airline, Transfer sowie die Unterkünfte, ob in Form eines Badeurlaubs oder einer Rundreise, bereits miteinander kombiniert. Das Produkt wird nicht erst zusammengestellt, es existiert bereits. Die Reise ist von „Vorne bis Hinten“ durchorganisiert. Umgangssprachlich wird das Reisepaket auch als „Pauschalreise“ bezeichnet.

An dieser Stelle wählt man ein schon vorhandenes Produkt mit den einzelnen Komponenten:

Paket A1,  Paket B3, Paket G4 usw. 

Reisepaket_Normal.jpg

Vorteile:

  • Chance auf geringsten Preis ist sehr hoch
  • bessere Rechtslage aus Kundensicht (siehe Veranstalterhaftung)
  • Urlaub ist größtenteils durchorganisiert und man hat weniger Aufwand vor Ort
  • Sammeltransfer ist i.d.R. inklusive
  • Es besteht der geringste Aufwand beim Buchen.

Nachteile:

  • geringste Individualität während der Reise
  • weniger bis keine Anpassungen des Pakets möglich
  • Gefahr am höchsten in „Touri-Fallen“ zu tappen (Massenbesichtigungen, „Abzocke“, Standardisierung usw..

Für welche Variante sollte man sich entscheiden? – Sofern es möglich ist:

Eine Mischform

So gehe ich dabei vor:

Mischform 2.jpg

  1. Ich schaue langfristig nach einem passenden Reisepaket und reserviere dieses Angebot (Variante 3) unverbindlich. Das Reisepaket enthält gute Flugzeiten ins Zielgebiet, das Badehotel sowie den Transfer vom Flughafen zum Hotel und den Rücktransfer zum Flughafen.
  2. Ich lasse vom Veranstalter einen Leeraufenthalt einfügen zwischen dem 5. und dem 14. Tag. (Das heißt ich nutze nun vom 1.-5. Tag das Paket und noch einmal für 14. und 15. Nacht.
  3. Ich plane nun die Rundreise und buche die Bestandteile „meiner“ gewollten Rundreise während des Leeraufenthalts (am 14. Tag kehre ich in das Badehotel zurück).
  4. Idealerweise, buche ich die Rundreise-(Unterkünfte) noch beim selben Veranstalter, wie das Reisepaket und erhalte damit streng genommen eine Baustein-Reise (Variante2).

Mischform 1.jpgDiese Mischform gibt mir die Individualität zurück, die ich bei der Buchung eines Reisepakets verlieren kann sowie die höchste Rechtssicherheit aus touristischer Kundensicht. Gleichzeitig erhalte dadurch hohe Chancen den geringsten Preis zu erhaschen.

Bis zum nächsten mal,

Max